Was ich gelernt habe, seit ich Thriller schreibe
Dass blutrünstig ein sehr dehnbarer Begriff ist.
Ich schreibe eine Szene und denke: Oh mein Gott, das ist jetzt aber heftig. Kann ich das bringen?
Leserfeedback: „Recht so. Aber ich hätte den an den Füßen aufgehängt und ausbluten lassen.“ 😈
Aha. Gut. Wieder was gelernt. Womöglich sind nicht Thrillerautorinnen diejenigen mit den düstersten Gedanken.
Aber das ist längst nicht alles:
🤝 Ich habe gelernt, dass Fremde einen manchmal mehr unterstützen als Menschen aus dem direkten Umfeld.
Nicht Privatpersonen sondern im beruflichen Umfeld, wo dir weit weg plötzlich Türen geöffnet werden, während sich Buchhandlungen und Veranstalter in der eigenen Umgebung einfach abputzen.
♥️ Ich durfte erleben, dass andere oft schon lange an dich glauben, bevor du selbst überhaupt beschlossen hast, dass du es vielleicht schaffen könntest.
🤷♀️ Und dann wäre da noch die Erkenntnis, dass Schreiben zwar der schönste, aber erstaunlich schnell der kleinste Teil der Arbeit ist.
Ich habe gelernt, dass meine Bücher anderen Menschen Gefühle entlocken können, mit denen ich beim Schreiben überhaupt nicht gerechnet habe. Dass jemand mit meinen Figuren leidet, wütend wird, weint, Verständnis entwickelt oder plötzlich ganz anders auf ein Thema schaut.
💪 Ich habe gelernt, dass der Buchmarkt verdammt hart ist. Und dass ich offenbar härter bin.
🖤 Dass Mordgedanken völlig okay sind, solange sie lediglich zwischen zwei Buchdeckeln landen.
🫣 Und auch, dass es wahrscheinlich ganz gut war, dass ich nicht wie geplant Psychologie studiert habe.
Ich würde vermutlich bei meinen Patienten sitzen, mit ihnen mitheulen und irgendwann sagen:
„Ja. Das ist wirklich scheiße.“
Ob das therapeutisch besonders wertvoll wäre, weiß ich nicht.
Als Thrillerautorin funktioniert es erstaunlich gut.
Was ich also überwiegend gelernt habe?
Menschen sind kompliziert, überraschend, grausam, wunderbar, herzlich, widersprüchlich – und wahrscheinlich schreibe ich genau deshalb so gern über sie. 🫂
🤣Und ja, eins noch: Große schwarze Müllsäcke zu tragen, ist, seit ich Thriller schreibe, eine Einladung, angegrinst zu werden.